Diabetisches Fußsyndrom: Schutzschuhe & Einlagen, die Folgen verhindern
Das diabetische Fußsyndrom entsteht, wenn Nervenschäden (Polyneuropathie) und Durchblutungsstörungen durch Diabetes mellitus dazu führen, dass Druckstellen und Wunden nicht mehr gespürt werden. Konsequente Fußpflege, druckmindernde Einlagen und orthopädische Schutzschuhe können schwerwiegende Folgen – bis hin zur Amputation – wirksam verhindern.
Für Menschen mit Diabetes mellitus ist die Fußgesundheit eine der wichtigsten und zugleich am häufigsten vernachlässigten Gesundheitsfragen. Etwa 15 bis 25 Prozent aller Diabetikerinnen und Diabetiker entwickeln im Laufe ihres Lebens ein diabetisches Fußsyndrom. In Deutschland werden jährlich über 60.000 Amputationen an Füßen und Beinen durchgeführt – ein Großteil davon wäre mit konsequenter Vorsorge vermeidbar. Dieser Ratgeber erklärt, was das diabetische Fußsyndrom ist und wie Schutzschuhe und Einlagen helfen.
Was ist das diabetische Fußsyndrom?
Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine Komplikation des Diabetes mellitus, bei der zwei Mechanismen zusammenwirken:
1. Diabetische Polyneuropathie: Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die peripheren Nerven – besonders in Füßen und Unterschenkeln. Die Folge: Das Schmerzempfinden lässt nach. Druckstellen, Blasen oder Fremdkörper im Schuh werden nicht mehr gespürt und können sich unbemerkt zu tiefen Wunden entwickeln.
2. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Diabetes fördert die Arterienverkalkung. Ist die Durchblutung der Füße eingeschränkt, heilen auch kleine Wunden schlecht oder gar nicht.
Die Kombination aus fehlender Schmerzwahrnehmung und schlechter Wundheilung macht selbst harmlose Druckstellen zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko.
Risikoklassen des diabetischen Fußes
Die Versorgung richtet sich nach der individuellen Risikoklasse, die der Diabetologe oder Podologe feststellt:
| Risikoklasse | Befund | Versorgungsempfehlung |
| 0 | Kein erhöhtes Risiko | Gutes Standardschuhwerk, jährliche Fußuntersuchung |
| 1 | Neuropathie ohne Fußdeformität | Konfektionierter Diabetikerschuh, weiche Einlage |
| 2 | Neuropathie mit Fußdeformität | Maßschuhe oder orthopädisch zugerichtete Schuhe, DAF-Einlagen |
| 3 | Zustand nach Ulkus oder Amputation | Maßschuhe, intensive podologische Fußpflege, engmaschige Kontrolle |
Diabetiker-Schutzschuhe: Was sie von normalen Schuhen unterscheidet
Normale Schuhe – auch teure Qualitätsschuhe – sind für Diabetiker mit Neuropathie oder Fußdeformitäten schlicht nicht geeignet. Sie können Druckstellen verursachen, ohne dass der Träger es bemerkt. Diabetiker-Schutzschuhe (nach DIN-Norm) sind dagegen speziell auf die Bedürfnisse von Risikofüßen ausgelegt:
Charakteristische Merkmale:
- Extra tiefe und breite Zehenbox: Gibt verformten Zehen (Krallenzehen, Hammerzehen) ausreichend Raum ohne Reibung.
- Weiches, nahtfreies Innenfutter: Verhindert Druckstellen durch Nähte oder harte Materialien.
- Herausnehmbare Einlagesohle: Platz für individuelle diabetesadaptierte Einlagen (DAF).
- Kein Schnürsenkel-Druck: Klettverschlüsse oder angepasste Schnürsysteme verteilen den Druck gleichmäßiger.
- Stabiler Fersenbereich: Verhindert das Einsinken der Ferse und bietet guten Halt.
Konfektionierte vs. orthopädische Maßschuhe: Bei Risikoklasse 1–2 sind konfektionierte Diabetiker-Schutzschuhe häufig ausreichend. Bei ausgeprägten Deformitäten (Risikoklasse 3) sind orthopädische Maßschuhe notwendig, die individuell in der Orthopädieschuhwerkstatt angefertigt werden.
Diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF)
Die Einlage ist das Herzstück jeder Diabetiker-Fußversorgung. Diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF) sind individuell gefertigte Weichbettungseinlagen, die:
- Druckspitzen eliminieren: Druckmindernde Materialien (z. B. Polyurethanschaum, Silikon) verteilen das Körpergewicht gleichmäßig auf die gesamte Fußsohle.
- Stellen mit erhöhtem Ulkusrisiko entlasten: Besonders gefährdet sind Ballen, Zehenkuppen und Fersenbein. Die Einlage wird so geformt, dass genau diese Stellen entlastet werden.
- Hygienisch und austauschbar sind: Bei Diabetes ist eine regelmäßige Kontrolle und Erneuerung der Einlagen besonders wichtig.
Digitale Fußdruckmessung in unserer Werkstatt
In unserer Werkstatt in Osternburg messen wir die Druckverteilung Ihres Fußes mit einem modernen Druckmesssystem (Pedobarographie). Diese Messung ist schmerzlos und dauert wenige Minuten. Die Ergebnisse zeigen genau, an welchen Stellen Ihres Fußes gefährliche Druckspitzen entstehen – die Grundlage für die Anfertigung Ihrer individuellen DAF-Einlage.
Was zahlt die Krankenkasse?
Bei gesicherter Diabetesdiagnose und entsprechender Risikoklasse übernimmt die GKV die Kosten für:
- Konfektionierte Diabetiker-Schutzschuhe: Bis zum Festbetrag nach Rezept.
- Orthopädische Maßschuhe: Bei Risikoklasse 2–3, nach ärztlicher Verordnung und Genehmigung.
- Diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF): Als anerkannte GKV-Leistung bei Diabetes mit Polyneuropathie oder Fußdeformität.
- Podologische Fußpflege (Hornhaut, Nagelbehandlung): Bei nachgewiesener Polyneuropathie auf Rezept erstattungsfähig.
Gesetzlicher Eigenanteil: 10 % (min. 5 €, max. 10 € pro Hilfsmittel).
Fußpflege bei Diabetes: Was Sie täglich tun sollten
Die beste Schutzversorgung nützt wenig, wenn die tägliche Fußpflege fehlt. Die wichtigsten Regeln:
- Täglich die Füße inspizieren: Mit einem Handspiegel auch die Fußsohle kontrollieren. Auf Rötungen, Blasen, Wunden, Hornhautverdickungen achten.
- Füße täglich waschen: In lauwarmem Wasser (max. 37 °C – Temperatur immer mit dem Ellenbogen oder Thermometer prüfen, nicht mit dem Fuß, der möglicherweise keine Hitze mehr spürt).
- Gründlich abtrocknen: Besonders zwischen den Zehen – dort entstehen bevorzugt Pilzinfektionen.
- Keine Wärmeflaschen oder Heizkissen: Das Gefühl für Temperatur ist oft vermindert – Verbrennungen drohen.
- Keine scharfen Instrumente zur Hornhautbearbeitung: Zum Schneiden der Nägel nur Nagelschere mit stumpfer Spitze; Hornhaut nur durch Podologen behandeln lassen.
Jetzt Fußscan und Beratung vereinbaren
Wir messen die Druckverteilung Ihres Fußes und fertigen Ihre individuellen DAF-Einlagen in unserer Werkstatt in Osternburg an – nach ärztlichem Rezept mit GKV-Abrechnung.
Sanitätshaus Wiggers – Osternburg, Ofenerdiek, Tweelbäke, Wiefelstede
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder podologische Beratung. Bei Fußwunden sofort zum Arzt.
Quellen: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) – Leitlinie Diabetisches Fußsyndrom, Zentralverband der Orthopädieschuhtechnik (ZVO), GKV-Spitzenverband, § 33 SGB V.
