Knie-Arthrose: Welche Orthese, welche Bandage – wann was?
Bei Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) gibt es drei Hilfsmitteloptionen: einfache Kniebandagen (Wärme, Kompression, Propriozeption), Knieorthesen mit mechanischer Führung (Stabilisierung instabiler Gelenke) und Entlastungsorthesen (gezieltes Verschieben der Belastungszone). Welches Hilfsmittel sinnvoll ist, hängt vom Arthrose-Stadium, dem Schadensmuster und den Beschwerden ab.
Kniearthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen in Deutschland. Nach Schätzungen sind rund 5 Millionen Menschen betroffen – mit steigender Tendenz durch die alternde Bevölkerung. Schmerzen beim Treppensteigen, Steifheit nach dem Sitzen, ein spürbares Reiben im Gelenk: Das sind typische Zeichen einer Gonarthrose. Hilfsmittel wie Bandagen und Orthesen können Schmerzen lindern, die Mobilität verbessern und den Alltag erleichtern – aber es kommt auf das richtige Produkt zur richtigen Zeit an.
Was ist Knie-Arthrose (Gonarthrose)?
Die Gonarthrose ist eine degenerative Erkrankung des Kniegelenks, bei der der Gelenkknorpel schrittweise abgebaut wird. Ohne das schützende Knorpolpolster reiben die Knochen direkt aufeinander – das verursacht Schmerzen, Entzündungen und zunehmende Einschränkungen.
Typische Ursachen:
- Altersbedingter Verschleiß
- Übergewicht (erhöhte Gelenkbelastung)
- Frühere Verletzungen (Meniskusschäden, Kreuzbandverletzung)
- Achsfehlstellungen (X-Bein, O-Bein)
- Genetische Veranlagung
Stadien (nach Kellgren & Lawrence):
- I: Minimale Veränderungen, kaum Beschwerden
- II: Leichte Verschmälerung des Gelenkspalts
- III: Deutliche Arthrose, Schmerzen bei Belastung
- IV: Schwere Arthrose, Schmerzen auch in Ruhe, Alltagseinschränkungen
Kniebandage: Wärme, Stützung und Schmerzlinderung
Eine Kniebandage ist das am häufigsten verwendete Hilfsmittel bei Kniearthrose – und das aus gutem Grund.
Was eine Kniebandage leistet:
- Wärme: Das Neoprenmaterial hält das Gelenk warm. Wärme fördert die Durchblutung, entspannt die Muskulatur und lindert Schmerzen.
- Kompression: Leichte Kompression reduziert Schwellungen und Ergüsse.
- Propriozeption: Die Bandage gibt dem Gehirn mehr Informationen über die Gelenkposition – das verbessert die Koordination und kann Sturzangst reduzieren.
Grenzen der Bandage: Eine Bandage kann eine mechanisch instabile Arthrose oder eine ausgeprägte Achsfehlstellung nicht korrigieren. Für diese Fälle sind Orthesen notwendig.
Geeignet für: Leichte bis mittlere Gonarthrose ohne ausgeprägte Instabilität; bei rezidivierenden Schwellungen; begleitend zur Physiotherapie.
Knieorthese mit mechanischer Führung
Knieorthesen sind rigider als Bandagen und enthalten seitliche Schienen sowie mechanische Gelenke, die die Beweglichkeit des Kniegelenks unterstützen oder begrenzen.
Wann sinnvoll:
- Bei Instabilität des Kniegelenks (z. B. nach Bandverletzung)
- Nach einer Knieoperation (z. B. Kreuzband-OP, Meniskus-OP)
- Bei ausgeprägter Arthrose mit begleitender Ligamentlockerung
Beispiel: Nach einer vorderen Kreuzbandverletzung mit gleichzeitiger Arthrose kann eine Knieorthese mit Kreuzbandfunktion die Stabilität wiederherstellen und die weitere Arthrose-Progression verlangsamen.
Entlastungsorthese: Das Spezialwerkzeug bei Innen- oder Außenarthrose
Die Entlastungsorthese (auch „Unloading Brace" oder Valgus-/Varus-Orthese) ist die medizinisch anspruchsvollste Option. Sie ist speziell entwickelt für die unikompartimentelle Arthrose – also die Arthrose, die nur eine Seite des Kniegelenks betrifft:
- Innenseitige Arthrose (mediale Gonarthrose): Häufig bei O-Beinen; die innere Gelenkhälfte ist besonders abgenutzt.
- Außenseitige Arthrose (laterale Gonarthrose): Seltener; bei X-Beinen.
Die Entlastungsorthese greift mechanisch ein: Sie verbiegt das Knie leicht in die entgegengesetzte Richtung und verlagert damit die Drucklinie aus der arthrotischen Zone heraus. Studien belegen, dass damit Schmerzen erheblich reduziert werden können – und in manchen Fällen kann eine Knie-TEP-OP verzögert oder sogar verhindert werden.
Diese Orthesen werden häufig maßangefertigt oder individuell eingestellt. In unserer Werkstatt in Osternburg passen wir diese Orthesen präzise auf die Beinachse und das individuelle Arthrose-Muster ab.
Was zahlt die Krankenkasse?
| Hilfsmitteltyp | GKV-Leistung |
| Kniebandage | Auf Rezept bis Festbetrag, 10% Eigenanteil |
| Standard-Knieorthese | Auf Rezept bis Festbetrag, 10% Eigenanteil |
| Entlastungsorthese (maßgefertigt) | Auf Rezept mit Genehmigung, ggf. höherer Festbetrag |
| Custom-Made-Orthese | Medizinische Indikation erforderlich, GKV-Genehmigung |
Voraussetzung ist immer ein ärztliches Rezept und eine medizinisch begründete Indikation. Für Entlastungsorthesen empfehlen wir, vor der Versorgung vorab die Genehmigung der Krankenkasse einzuholen.
Kombination von Hilfsmitteln und Therapie
Hilfsmittel alleine sind keine Therapie – sie sind Begleitung. Die besten Ergebnisse bei Kniearthrose zeigt die Kombination aus:
- Physiotherapie: Kräftigung der knieumgebenden Muskulatur (Quadrizeps, Hamstrings, Hüftmuskulatur).
- Gewichtsreduktion: 5 kg weniger Körpergewicht reduzieren die Kniebelastung um bis zu 20 kg.
- Geeignetes Schuhwerk und Einlagen: Abrolloptimierung reduziert die Gelenklast.
- Hilfsmittel (Bandage oder Orthese): Für Schmerzlinderung und Stabilisierung im Alltag.
Knieversorgung in Oldenburg
Lassen Sie uns Ihr Knie beurteilen und gemeinsam die richtige Versorgung auswählen. Wir fertigen Orthesen in unserer Werkstatt in Osternburg und führen alle führenden Bandagen- und Orthesenhersteller.
Sanitätshaus Wiggers – Osternburg, Ofenerdiek, Tweelbäke, Wiefelstede
Dieser Beitrag ersetzt keine orthopädische Diagnose oder Therapieplanung.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie (DGOOC) – Leitlinie Gonarthrose, AWMF, GKV-Spitzenverband, Bauerfeind AG, BORT GmbH – Orthesen.
