Rollator richtig einstellen: Höhe, Sicherheit & Tipps
Die richtige Rollator-Höhe entspricht Ihrer Handgelenkshöhe bei aufrechtem Stand und entspannt herabhängenden Armen. Stellen Sie sich direkt vor den Rollator, lassen Sie die Arme locker fallen – auf Höhe der Handgelenksknochen sollten die Griffe einrasten. So bleibt der Rücken gerade und die Ellbogen sind leicht angewinkelt.
Ein Rollator, der nicht richtig eingestellt ist, tut mehr Schaden als Nutzen. Rückenschmerzen nach kurzen Spaziergängen, verspannte Schultern oder das Gefühl, den Rollator eher zu schieben als ihn zu führen – das sind klassische Zeichen einer falschen Griffhöhe. Die gute Nachricht: Das Rollator richtig einstellen ist einfach, dauert nur wenige Minuten und verändert sofort, wie sicher und entspannt Sie sich fortbewegen können.
Warum die richtige Höhe so wichtig ist
Viele Menschen unterschätzen, wie weitreichend die Folgen einer falschen Einstellung sind. Ist der Rollator zu niedrig, beugen Sie sich beim Gehen nach vorne. Diese Haltung belastet Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule erheblich und führt zu Rückenschmerzen, die nach kurzen Spaziergängen auftreten. Zugleich verlagert sich Ihr Körperschwerpunkt nach vorne – das Sturzrisiko steigt deutlich.
Ein zu hoch eingestellter Rollator zwingt Sie, die Schultern anzuheben und die Arme zu strecken. Das führt zu Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich und ermüdet die Muskulatur schneller. Außerdem verlieren Sie die natürliche Kontrolle: Viele Nutzerinnen und Nutzer fangen an, den Rollator vor sich herzuschieben statt ihn mitzuführen – ein klassischer Risikofaktor für Stürze.
Korrekt eingestellt hingegen entlastet der Rollator Ihre Gelenke, unterstützt eine aufrechte Körperhaltung und gibt Ihnen das Vertrauen, das Sie für Ihren Alltag brauchen.
Schritt für Schritt: Rollator-Höhe einstellen
Nehmen Sie sich fünf Minuten und gehen Sie diese Schritte in Ihrem normalen Schuhwerk durch – immer mit dem Schuh, den Sie beim Gehen tragen werden, nicht barfuß.
Schritt 1: Aufrechte Ausgangsposition Stellen Sie sich gerade hin. Schultern entspannt, Blick geradeaus, Arme locker seitlich herabhängen lassen.
Schritt 2: Handgelenkshöhe bestimmen Bitten Sie eine zweite Person, die Höhe Ihrer Handgelenksknochen vom Boden zu messen. Dieser Abstand ist Ihre ideale Griffhöhe. Eine zweite Person liefert deutlich genauere Ergebnisse als die Selbstmessung.
Schritt 3: Griffhöhe am Rollator anpassen Die meisten Rollatoren haben eine Steckverschluss- oder Klemmmechanik. Drücken Sie den Sicherungsknopf, ziehen Sie das Bein auf die gewünschte Länge und lassen Sie den Knopf vollständig einrasten. Nutzen Sie die aufgedruckte Zentimeterskala und achten Sie darauf, dass beide Seiten identisch eingestellt sind.
Schritt 4: Probe gehen Schieben Sie den Rollator ein kleines Stück vor sich her. Sind die Ellbogen leicht angewinkelt (ca. 15–20 Grad)? Sind die Schultern entspannt? Fühlt sich der Rücken aufrecht an? Wenn ja, stimmt die Einstellung.
Schritt 5: Nachjustieren Ein Zentimeter kann den Unterschied zwischen bequem und unbequem ausmachen. Passen Sie bei Bedarf in kleinen Schritten nach und lassen Sie nach jeder Änderung die Sicherungsknöpfe vollständig einrasten.
Unser Tipp: Lassen Sie die Einstellung in einer unserer Filialen von einem Fachmann prüfen. Was sich in der Theorie einfach liest, erfordert in der Praxis ein geschultes Auge – besonders bei Menschen mit Haltungsveränderungen oder nach einem Schlaganfall.
Häufige Fehler – „lieber zu hoch" ist falsch
In der Beratung bei Sanitätshaus Wiggers begegnen uns immer wieder dieselben Einstellungsfehler:
Fehler 1: Rollator zu hoch eingestellt Viele glauben intuitiv, ein höher eingestellter Rollator gebe mehr Halt. Das Gegenteil ist der Fall. Bei zu hohen Griffen müssen Sie die Schultern anheben und können den Rollator nicht mehr natürlich führen. Schultermuskulatur ermüdet schnell, und die Gehbewegung verändert sich: Aus Mitführen wird Schieben – ein echter Sturzrisikofaktor.
Fehler 2: Einstellung ohne Schuhe Klingt trivial, ist aber entscheidend: Wer den Rollator barfuß einstellt und ihn dann mit normalen Straßenschuhen nutzt, hat schnell einen Zentimeter oder mehr Differenz. Immer im Alltagsschuhwerk einstellen.
Fehler 3: Beide Seiten nicht gleich eingestellt Eine schiefe Griffhöhe erzeugt eine schiefe Gehhaltung und kann zu einseitiger Belastung von Wirbelsäule und Hüfte führen. Messen Sie nach jeder Einstellung beide Seiten nach.
Mit dem Rollator richtig gehen
Eine gute Einstellung ist die Grundlage – aber auch die Gehtechnik beeinflusst Ihre Sicherheit.
Halten Sie den Blick beim Gehen nach vorne, nicht auf den Boden. Stellen Sie den Rollator etwa einen halben Schritt vor sich – weit genug, damit Sie sicher hinter ihm hergehen können, aber nicht so weit, dass er kippt. Nutzen Sie die Bremsen nicht nur bergab, sondern auch beim Anhalten: Immer erst bremsen, dann stehen bleiben oder hinsetzen.
Ein Rollator wird mitgeführt, nicht geschoben. Er soll Ihren natürlichen Gehrhythmus unterstützen. Wenn Sie bemerken, dass Sie ihn weit vor sich herschieben und dann nachgehen, ist die Einstellung zu überprüfen oder die Gehtechnik einzuüben – wir helfen Ihnen dabei gerne in unseren Filialen.
Welcher Rollator passt zu mir?
Die Auswahl ist groß – und das ist gut, denn jeder Mensch hat andere Bedürfnisse:
Standard-Rollator
Robust, langlebig und günstig. Gut für überwiegend häuslichen Einsatz oder befestigte Wege. Durch das höhere Gewicht (7–10 kg) weniger geeignet für häufigen Transport im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Leichtgewicht-Rollator (unter 8 kg)
Für viele die sinnvollste Wahl: Aluminiummodelle unter 8 kg lassen sich deutlich leichter transportieren und manövrieren. Ideal für aktive Menschen, die viel unterwegs sind und auf Flexibilität angewiesen sind.
Carbon-Rollator
Die Leichtgewichte unter den Leichtgewichten – manche Modelle wiegen unter 5 kg. Hervorragend für Menschen, bei denen jedes Gramm zählt. Sehr robust trotz geringem Gewicht.
Outdoor-/Indoor-Rollator
Outdoor-Modelle haben größere, luftbereifte Räder für Kopfsteinpflaster, Kies oder unebenes Gelände. Indoor-Modelle sind schmal und wendig für enge Flure und kleine Wohnungen. Es gibt auch Kombilösungen.
XL-Rollatoren
Für Personen mit einem Körpergewicht über 130 kg oder sehr großer Körpergröße: Speziell verstärkte Modelle mit breiteren Sitzflächen und höherer Tragfähigkeit. Wir beraten Sie diskret und einfühlsam.
Rollator auf Rezept – was zahlt die Krankenkasse?
Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf einen Rollator, wenn ein Arzt (Hausarzt oder Facharzt) die medizinische Notwendigkeit bescheinigt. Das Rezept wird beim Sanitätshaus eingereicht, das die Genehmigung bei Ihrer Krankenkasse einholt.
Die GKV übernimmt den Festbetrag gemäß Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 10 (Gehhilfen). Dieser Festbetrag deckt in der Regel ein solides Einstiegsmodell vollständig ab. Bei einem höherwertigen Modell – etwa einem Leichtgewicht- oder Carbon-Rollator – zahlen Sie die Differenz zum Festbetrag als wirtschaftliche Aufzahlung selbst. Diese Mehrkosten sind oft überschaubar und lohnen sich für viele angesichts des gewonnenen Komforts.
Wichtig: Kaufen Sie einen Rollator nicht einfach im Supermarkt ohne Rezept. Nur über ein Sanitätshaus mit Kassenvertrag erhalten Sie die Kostenübernahme und eine fachgerechte Einweisung.
Sicher unterwegs: Tipps für Bus, Bahn, Treppe und Winter
Im Bus und in der Bahn: Rollator quer zur Fahrtrichtung stellen. Bremsen anziehen, bevor Sie sich setzen oder aufstehen. An Bordsteinkanten: Vorderräder zuerst heben, dann Hinterräder.
An Treppen: Ein Rollator ist grundsätzlich nicht für Treppen geeignet. Nutzen Sie Aufzüge oder Rampen.
Im Oldenburger Winter: Das feuchte Klima im Oldenburger Land bedeutet im Winter oft Glatteis auf Gehwegen. Rüsten Sie Ihren Rollator mit Eisspikes oder speziellen Winterreifen aus – diese lassen sich einfach nachrüsten. Bei extremem Glatteis ist Zuhausebleiben die sicherste Option.
Im Supermarkt: Nutzen Sie die Sitzfläche Ihres Rollators zum kurzen Ablegen von Einkäufen, aber ziehen Sie vorher immer die Bremsen.
Lassen Sie sich persönlich beraten
Wir stellen Ihren neuen Rollator vor Ort exakt auf Ihre Körpergröße ein – kommen Sie in unsere Filialen in Osternburg, Ofenerdiek, Tweelbäke oder Wiefelstede.
- Osternburg – Bremer Heerstraße 80, Oldenburg
- Ofenerdiek – Oldenburg
- Tweelbäke – Oldenburg
- Wiefelstede – Ammerland
Fachlich geprüft am: 15. Mai 2025
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder orthopädische Beratung. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder unser Fachpersonal.
Quellen: Saljol GmbH – Produktinformationen Rollatoren (saljol.de), Trionic Sverige AB – Trionic Veloped (trionic.de), Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Hilfsmittel-Richtlinie, GKV-Spitzenverband – Hilfsmittelverzeichnis PG 10 Gehhilfen (gkv-hilfsmittelverzeichnis.de), § 33 SGB V.
