Sanitätshaus-Lexikon: Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
Im Sanitätshaus begegnen Ihnen Begriffe aus Medizin, Recht und Technik, die auf den ersten Blick verwirrend wirken: Festbetrag, Kostenvoranschlag, Orthese, Hilfsmittelverzeichnis, Pflegehilfsmittel. Dieses Lexikon erklärt die 25 wichtigsten Fachbegriffe in einfacher Sprache – und verlinkt auf weiterführende Ratgeber zu jedem Thema.
Wer zum ersten Mal ein Sanitätshaus betritt – oder ein Rezept in der Hand hält und nicht weiß, was als nächstes zu tun ist – fühlt sich oft von Fachbegriffen überwältigt. Dabei sind die meisten Dinge, sobald erklärt, ganz logisch. Dieses Lexikon gibt Ihnen das Basiswissen, um sicher durch das System der Hilfsmittelversorgung zu navigieren.
A
Antidekubitus-Matratze
Eine spezielle Matratze oder Matratzenauflage, die das Druckgeschwür-Risiko (Dekubitus) bei bettlägerigen Personen reduziert. Sie verteilt den Körperdruck gleichmäßig oder wechselt ihn zyklisch durch Luftkammersysteme. Erstattungsfähig über die GKV auf ärztliches Rezept.
Anziehhilfe
Ein Hilfsmittel, das das An- und Ausziehen von Strümpfen, Socken oder Kompressionsstrümpfen erleichtert. Besonders wichtig für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit, Adipositas oder nach Hüft-OPs. Für Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 und höher gibt es spezielle Metallrahmen-Anziehhilfen.
B
Bandage
Eine elastische Ummantelung eines Körperteils aus Strick- oder Wirkware. Bandagen wirken über Wärme, Kompression und propriozeptive Stimulation (Verbesserung der Körperwahrnehmung). Sie stabilisieren leicht, korrigieren aber keine schweren Instabilitäten. Abgrenzung zu Orthesen: Bandagen haben keine starren Elemente.
Weiterführend: [Kniearthrose – Bandage oder Orthese?](/ratgeber/knie-arthrose-orthese)
Befreiungsbescheinigung
Wer aufgrund seines Einkommens oder chronischer Erkrankungen von der gesetzlichen Zuzahlungspflicht befreit ist, erhält von seiner Krankenkasse eine Befreiungsbescheinigung. Mit dieser zahlen Sie bei Hilfsmitteln, Rezepten und Heilmitteln keinen Eigenanteil.
C
Cobb-Winkel
Meßgröße zur Bestimmung der Schwere einer Skoliose im Röntgenbild. Gemessen als Winkel zwischen den Deckplatten des am stärksten gekippten Wirbelkörpers oberhalb und unterhalb der Kurve. Ab 20–25° und laufendem Wachstum wird ein Korsett empfohlen.
Weiterführend: [Skoliose-Korsett bei Kindern](/ratgeber/skoliose-korsett-kinder)
Chêneau-Korsett
Ein maßgefertigtes Rumpforthesen-Korsett zur Behandlung von Skoliose in der Wachstumsphase. Entwickelt von Jacques Chêneau. Wirkt über Druckzonen und Freizonen. Wird 20–23 Stunden täglich getragen.
D
Dekubitus
Druckgeschwür, das durch anhaltenden Druck auf Körperstellen mit geringer Weichteilschicht (Steißbein, Fersen, Schultern) entsteht. Betrifft vor allem immobile oder bettlägerige Personen. Prophylaxe: Antidekubitus-Matratzen, Umlagerung, spezielle Kissen.
Diabetiker-Schutzschuh (DFS)
Maßgefertigter orthopädischer Schuh für Menschen mit diabetischer Polyneuropathie. Schützt vor Druckstellen und Wunden durch spezielle Weichbettung und druckentlastende Sohle. Erstattungsfähig über GKV nach ärztlicher Verordnung und podologischem Befund.
Weiterführend: [Diabetiker-Schuhe und diabetischer Fuß](/ratgeber/diabetiker-schuhe)
E
Eigenanteil (Zuzahlung)
Der gesetzlich geregelte Anteil, den GKV-Versicherte bei Hilfsmitteln selbst zahlen müssen. Beträgt 10 % des Preises (mind. 5 €, max. 10 € pro Hilfsmittel). Bei Hilfsmitteln, die den Festbetrag überschreiten, kommt eine zusätzliche Mehrkosten-Zuzahlung hinzu. Kinder unter 18 Jahren sind befreit. Chronisch Kranke und Personen mit Befreiungsbescheinigung ebenfalls.
Entlassmanagement
Gesetzlich vorgeschriebener Prozess (§ 39 SGB V), mit dem Krankenhäuser die Nachsorge nach der Entlassung organisieren – inklusive Hilfsmittelverordnung. Das Entlassmanagement-Rezept ist nur 7 Tage gültig (statt der üblichen 28 Tage). Handeln Sie sofort nach Krankenhausentlassung.
Weiterführend: [Nach dem Krankenhaus – Hilfsmittel in 7 Tagen](/ratgeber/entlassmanagement-hilfsmittel)
F
Festbetrag
Der Maximalbetrag, den die GKV für ein bestimmtes Hilfsmittel zahlt. Liegt der Preis des gewählten Produkts über dem Festbetrag, müssen Sie die Differenz (Mehrkosten) selbst zahlen – zusätzlich zum Eigenanteil. Viele Produkte werden zu Festbetrags-Konditionen angeboten, sodass keine Mehrkosten entstehen.
Funktionsmaß (orthopädische Einlagen)
Das Fußmaß, das für die Herstellung individueller orthopädischer Einlagen zugrunde gelegt wird. Wird über Abdruckverfahren (Trittschaum, 3D-Scan) oder dynamische Druckmessung (Pedobarographie) ermittelt. Wichtig für die korrekte Passform und Wirkung der Einlagen.
Weiterführend: [Orthopädische Einlagen – Kosten & Kostenübernahme](/ratgeber/orthopaedische-einlagen-kosten)
G
Gonarthrose
Arthrose (degenerativer Gelenkverschleiß) des Kniegelenks. Häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland. Wird nach Kellgren & Lawrence in vier Schweregrade eingeteilt. Hilfsmittel: Kniebandagen, Knieorthesen, Entlastungsorthesen.
Weiterführend: [Knie-Arthrose: Welche Orthese, welche Bandage?](/ratgeber/knie-arthrose-orthese)
H
Hilfsmittel
Produkte, die dazu bestimmt sind, eine Behinderung oder Krankheitsfolge auszugleichen oder zu mildern (§ 33 SGB V). Beispiele: Rollstuhl, Rollator, Hörgerät, Kompressionsstrümpfe, Orthesen, Prothesen. Abgrenzung zu Pflegehilfsmitteln: Hilfsmittel werden über die Krankenkasse abgerechnet, Pflegehilfsmittel über die Pflegekasse.
Hilfsmittelverzeichnis (GKV-Hilfsmittelverzeichnis)
Die Produktliste des GKV-Spitzenverbandes mit allen Hilfsmitteln, die von der GKV erstattungsfähig sind. Produkte müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, um gelistet zu werden. Das Verzeichnis ist öffentlich zugänglich und wird regelmäßig aktualisiert.
K
Kompressionstherapie
Therapeutische Anwendung von Druck auf Körperstellen – meist Beine – um den venösen Rückfluss zu fördern, Ödeme zu reduzieren und Thrombosen vorzubeugen. Produkte: Kompressionsstrümpfe (Klasse 1–4), Kompressionsbandagen. Erstattungsfähig auf ärztliches Rezept.
Weiterführend: [Kompressionsstrümpfe anziehen – 9 Tipps](/ratgeber/kompressionsstruempfe-anziehen)
Kostenvoranschlag (KVA)
Schriftliche Kalkulation des Sanitätshauses für ein Hilfsmittel, das bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht wird. Enthält Produktbeschreibung, Preis und Abrechnungsziffer (Hilfsmittelpositionsnummer). Für viele Hilfsmittel (z. B. maßgefertigte Orthesen, Rollstühle) ist der KVA Voraussetzung für die Kostenübernahme.
L
Lipödem
Chronische Erkrankung des Fettgewebes, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Charakteristisch: symmetrische, druckschmerzhafte Fettverteilungsstörung an Beinen (seltener Armen), die durch Diät nicht verringert wird. Diagnose-Code ICD-10: E88.20. Therapie: Kompressionsstrümpfe (Flachgestrick), manuelle Lymphdrainage, KPE.
Weiterführend: [Lipödem und Kompression](/ratgeber/lipoedem-kompression)
M
Maßanfertigung (Custom-Made)
Im Gegensatz zur Konfektionsware wird bei einer Maßanfertigung das Produkt exakt nach den Körpermaßen und dem Befund hergestellt. Beispiele: Korsetts, orthopädische Schuhe, maßgefertigte Einlagen, bestimmte Orthesen. Höhere Kosten als Konfektionsware, aber präzisere Wirkung. GKV-erstattungsfähig mit medizinischer Indikation.
Meisterbetrieb Klasse I
Klassifikation von Sanitätshäusern nach handwerklicher Qualifikation. Klasse-I-Betriebe (auch: Orthopädiemechaniker und Bandagisten) dürfen sowohl konfektionierte Hilfsmittel abgeben als auch orthopädietechnische Maßanfertigungen herstellen. Sanitätshaus Wiggers ist ein Meisterbetrieb Klasse I.
O
Orthese
Ein von außen angelegtes, mechanisch wirksames Hilfsmittel, das ein Gelenk oder eine Körperregion stützt, führt, korrigiert oder entlastet. Orthesen haben im Gegensatz zu Bandagen starre oder halbstarre Elemente. Beispiele: Knieorthese, Knöchelorthese, Lumbalbandage mit Pelotten, Handgelenksorthese.
Weiterführend: [Bandagen für Knie und Sprunggelenk](/ratgeber/bandagen-knie-sprunggelenk)
P
Pflegehilfsmittel
Hilfsmittel, die speziell für die häusliche Pflege benötigt werden (§ 40 SGB XI). Abzugrenzen von medizinischen Hilfsmitteln (§ 33 SGB V). Kategorien: Verbrauchsmaterialien (42 €/Monat Pauschale ab Pflegegrad 1), technische Pflegehilfsmittel (Pflegebett, Lifter) und Wohnraumanpassungen (bis 4.000 €).
Weiterführend: [Pflegehilfsmittel 42 € – Was steckt dahinter?](/ratgeber/pflegehilfsmittel-42-euro)
Pflegegrad
Einstufung der Pflegebedürftigkeit in fünf Stufen (1–5). Ab Pflegegrad 1 entstehen neue Ansprüche auf Pflegehilfsmittel und Wohnraumanpassungen. Je höher der Pflegegrad, desto umfangreicher die Leistungen.
Weiterführend: [Pflegegrad – Welche Hilfsmittel stehen zu?](/ratgeber/pflegegrad-hilfsmittel)
Propriozeption
Die Fähigkeit des Körpers, die eigene Position im Raum wahrzunehmen – vermittelt durch Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Bandagen und Orthesen verbessern die Propriozeption, weil sie dem Nervensystem mehr Information über das Gelenk liefern. Das verbessert die Koordination und reduziert Sturzrisiko.
R
Rezept (Hilfsmittelrezept)
Ärztliches Dokument, das die Verordnung eines Hilfsmittels enthält. Enthält: Diagnose, verordnetes Produkt (oder Produktgruppe), Menge, Trageanweisung. Normale Rezepte sind 28 Tage gültig, Entlassmanagement-Rezepte nur 7 Tage. Das Rezept ist Voraussetzung für die GKV-Abrechnung.
Weiterführend: [Hilfsmittel-Rezept einlösen – Schritt für Schritt](/ratgeber/hilfsmittel-rezept-einloesen)
S
SGB V und SGB XI
Die beiden wichtigsten Gesetzbücher für die Hilfsmittelversorgung:
- SGB V (Fünftes Sozialgesetzbuch): Regelt die gesetzliche Krankenversicherung, darunter § 33 (Hilfsmittel).
- SGB XI (Elftes Sozialgesetzbuch): Regelt die soziale Pflegeversicherung, darunter § 40 (Pflegehilfsmittel).
W
Wohnraumanpassung
Bauliche oder technische Maßnahmen in der häuslichen Umgebung, die die Pflege oder die Selbständigkeit bei Pflegebedürftigkeit ermöglichen oder erleichtern (§ 40 Abs. 4 SGB XI). Gefördert mit bis zu 4.000 € pro Maßnahme. Beispiele: bodengleiche Dusche, Haltegriffe, Rampe, Treppenliftzuschuss. Antrag muss vor Beginn der Maßnahme gestellt werden.
Weiterführend: [Pflegegrad – Welche Hilfsmittel stehen zu?](/ratgeber/pflegegrad-hilfsmittel)
Alle Ratgeber im Überblick
Dieses Lexikon ist der Einstiegspunkt – die folgenden Ratgeber gehen auf die einzelnen Themen detailliert ein:
- Hilfsmittel-Rezept einlösen
- Orthopädische Einlagen
- Kompressionsstrümpfe anziehen
- Rollator richtig einstellen
- Pflegehilfsmittel 42 €
- Sturzprophylaxe im Winter
- Bandagen für Knie und Sprunggelenk
- Entlassmanagement – Hilfsmittel in 7 Tagen
- Knie-Arthrose – Orthese oder Bandage?
- Pflegegrad und Hilfsmittel
- Skoliose-Korsett bei Kindern
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Sanitätshaus Wiggers – Osternburg (Bremer Heerstraße 80), Ofenerdiek, Tweelbäke, Wiefelstede
Dieses Lexikon gibt allgemeine Begriffserklärungen. Für Ihre individuelle Versorgungssituation beraten wir Sie persönlich.
Quellen: GKV-Spitzenverband – Hilfsmittelverzeichnis, SGB V und SGB XI (Sozialgesetzbuch), Bundesverband für Orthopädie-Technik e. V. (BVOT), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Bundesministerium für Gesundheit – Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
